|
Spielkarten |
Im späten 14. Jh. wurden Spielkarten aus Papier populär. Wahrscheinlich orientalischen Ursprungs, kamen sie über Italien nach Deutschland. Schon bald entstand der spezialisierte Beruf der "Kartenmacher". Das Kartenspiel wurde als Glücksspiel mit oft sehr hohen Einsätzen gespielt. In vielen Städten wurde es daraufhin verboten, so z. B. in Bern, Basel und Nürnberg. Es war ein Spiel des Volkes, nicht des Adels. Trotzdem waren Karten wohl nicht für jedermann erschwinglich, denn Papier war zu dieser Zeit noch wertvoll. Spielkarten sind nicht als Bodenfunde erhalten, finden sich aber manchmal beim Restaurieren von Büchern: verdruckte Kartenbögen wurden gern als Material für Bucheinbände benutzt - ein Hinweis auf die Kostbarkeit des Papiers.
Seit 1441 ein Ausfuhrverbot von deutschen Karten nach Italien erlassen wurde, gibt es die deutschen Farben: Eichel, Blatt (= Grün), Herz und Schelle. Erst ab Ende des 15. Jh. sind in Deutschland die noch heute gebräuchlichen französischen Farben verbreitet.
|
Glasringe |
Bei archäologischen Grabungen im nordwestdeutschen, bayerischen und slawischen Siedlungsgebiet werden immer wieder kleine Glasringe gefunden, die in das 12. / 13. Jh. datieren. Es handelt sich um Ringe mit kleinem Durchmesser, die aus einem zusammengelegten Glasfaden hergestellt wurden. Die Farbe ist meist gelblich. Umstritten ist, ob es sich um Spielzeug oder um Schmuck bzw. Trachtbestandteile handelt. Für die Deutung als Spielzeug sprechen Schriftquellen des 13. Jahrhunderts, die das Spiel "Vingerlin schnellen" beschreiben. Auch in dem Bericht "Das Leben der H. Elisabeth" ( um 1300) werden diese "Fingerline" im Zusammenhang mit Spielzeug genannt:
Die Heilige Elisabeth schenkte Findelkindern in einem von ihr gegründeten Hospital:
"Aller hande kinderspil,Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in Bayern und Österreich noch das "Schnellfingerln" gespielt: mit kleinen Glasringen wurde auf einen in der Wand befestigten Haken gezielt.
|
Beissringe |
Als Beispiel für diejenigen Funde aus organischem Material, die im Mittelalter sicher alltäglich waren, im Fundmaterial aber nur äußerst selten erhalten sind, will ich hier einen Beißring für Babies erwähnen: er ist aus einem getrockneten, zum Ring gebogenen Gänseschlund hergestellt. Ein Exemplar, allerdings aus dem 18. Jh., befindet sich im Städtischen Museum Göttingen.