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Spielzeug im Mittelalter

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Holz

Schachzabel
Die gängige mittelalterliche Bezeichnung für Schach ist Schachzabel. Der Name leitet sich her aus dem lateinischen "tabula" = Tisch, Brett. Eine ausführliche Beschreibung ist im "Codex Alfonso" von 1283 zu finden. Im Anhang werden auch Würfel- und sonstige Brettspiele beschrieben.

Schachfiguren arab. Typ

Ein Vorläufer des Schachspiels ist das in Indien seit dem 5. Jh. n. Chr. bekannte "Caturanga". Über den arabischen Raum breitete sich Schach ab dem 9. Jh. n. Chr. in ganz Europa aus ( vom sarazenischen Unteritalien nach Deutschland und über die östlichen Wikinger - Rus und Waräger - nach Skandinavien).


Abb.: Schachfiguren des arabischen Typs von Burg Baldenstein bei Gammertingen/ Baden- Württemberg ( mehrere Bauern, vorne ein Springer, im Hintergrund ein Turm)

Zunächst wurde mit Figuren des arabischen Typs ( s. Bild) gespielt, die wegen des islamischen Bilderverbots stark abstrahiert waren. Im 14. Jh. erfolgte dann eine Entwicklung vom arabischen Typ zu den heute bekannten Schachfiguren.

Das Schachspiel gehörte zu den sieben ritterlichen Tugenden. Es war ein Spiel der gehobenen Schichten. So wurden neben den einfachen Spielfiguren aus Knochen, Geweih oder Ton auch solche aus Elfenbein, Halbedelstein oder Bergkristall gefunden.

Link: Eine mittelalterliche Abbildung von Schachspielern.

 

Wurfzabel

Das heutige Backgammon war in Deutschland im Mittelalter unter dem Namen "Wurfzabel" bekannt. Später hieß es bei uns "Puff". Andere Namen waren: tric-trac (Frankreich), tavole reale (Italien) und tablas reales (Spanien).

Frau und Narr mit Wurfzabelbrett, S.Brant, Narrenschiff, 1493Genau wie das Schachzabel ist Wurfzabel ein sehr altes Spiel. Die Ursprünge werden in Indien, Persien und im alten Ägypten vermutet. Bei den Römern sehr beliebt war das Zwölflinienspiel "Ludus duodecim scriptorum", das nach dem gleichen Prinzip wie das heutige Backgammon gespielt wurde, jedoch auf einem ganz einfachen, nur durch Linien unterteilten Spielbrett. Die Verbreitung im mittelalterlichen Europa erfolgte wohl durch die Kreuzzüge von Arabien aus. Hier hieß das Spiel "nard".

Auch im Spielebuch Alfons`des Weisen von 1283 ist Wurfzabel beschrieben. In Deutschland wurde es, ganz anders als Schachzabel, zum volkstümlichen Brettspiel. Zahlreiche zeitgenössische Abbildungen zeigen, wie Schachzabelbretter, zusammen mit Würfeln und modischem Kopfputz, ins Feuer geworfen werden.

Gespielt wurde auf zusammenklappbaren, mit Intarsien verzierten Brettern aber genauso auch auf ganz einfachen mit eingeritzten Linien. Ein fast vollständiges Spielbrett wurde im Augustiner-Eremiten-Kloster in Freiburg ausgegraben.

Runde Spielsteine von Burg Baldenstein

Die Spielsteine, pro Spieler fünfzehn Stück, waren aus Geweih, Knochen (meist Unterkieferknochen vom Rind) oder Holz hergestellt. Die meisten Steine waren gedrechselt und unverziert oder es wurden mit einer Art Stechzirkel Kreisaugen eingeschnitten. Aber auch wunderschöne, mit geschnitzten Sagengestalten oder Tieren kommen vor, wie z. B. die Funde von Burg Baldenstein bei Gammertingen/ Baden-Württemberg. Der Durchmesser der Steine lag um 3 bis 4 cm.

Abb.: Spielsteine von Burg Baldenstein bei Gammertingen.

 

 

Hnefatafl
Hnefatafl gehört zeitlich ins Frühmittelalter, im Gegensatz zu den anderen hier aufgeführten Brettspielen, und wurde von Slawen und Wikingern gespielt.

Die Wikinger brachten das Spiel nach England, woher auch die erste Beschreibung stammt: aus einem angelsächsischen Kodex aus der 1. Hälfte des 10. Jahrhunderts. Mit der Verbreitung des Schachspiels in Europa geriet Hnefatafl in Vergessenheit, nur in Lappland hielt sich eine Variante bis in das 18. Jh..

Die Spielidee ist folgende: Ein König verteidigt sich mit seinen Soldaten gegen eine Überzahl von Angreifern. Das Spiel ist beendet, wenn entweder der König eingekreist ist oder sich am Rand des Spielfeldes in Sicherheit gebracht hat.

Spielbrett mit Griffen aus Irland

Das Spielfeld ist bei den erhaltenen Funden in quadratische Holzstücke oder auch in Schiffsplanken geritzt. Manchmal ist auf der Rückseite ein Mühlespiel eingeritzt. Es existieren verschiedene Versionen: mit 9 mal 9, 11 mal 11, 13 mal 13 , 15 mal 15 oder sogar mit 18 mal 18 Feldern.

Die Spielfiguren sind selten aus Glas oder Gold hergestellt. Gebräuchlicher waren Scherben, Steine, versteinerte Seeigel oder Pferdezähne.

Gewürfelt wurde mit länglichen oder quadratischen Knochenwürfeln.

Abb.: Spielbrett für Hnefatafl oder das Spiel "Fuchs und Gänse" aus Ballinderry/ Irland

 

Mühle

Spielfelder des Mühlespiels sind schon aus der Bronzezeit, von einem irischen Fund um 2000 v. Chr., bekannt. Auch im alten Ägypten, in Griechenland und im Römischen Weltreich wurde Mühle gespielt. Selbst in China und Ceylon ist das Spiel seit Jahrhunderten bekannt.

Mühle war schon im frühen Mittelalter beim Volk sehr beliebt.

Das Ziel des Spiels ist es, drei eigene Steine in eine Reihe zu bekommen, damit man dann einen gegnerischen Stein wegnehmen kann. Wer nur noch zwei eigene Steine hat, hat verloren.

Die einfachste Variante besteht aus drei mal drei Punkten. Die meisten Möglichkeiten ergeben sich, wenn auf einem Plan mit drei Quadraten und zusätzlich mit Geraden und Diagonalen gespielt wird. Im Mittelalter waren sechs Varianten des Spiels geläufig.

Das Mühlespiel wurde meist einfach dort eingeritzt, wo gespielt werden sollte: in hölzerne Tischplatten, in Fußbodendielen (z. B. im Göttinger Rathaus), in Holzbrettchen aber auch in die steinernen Fensterbänke der Burgen.

 

Holzpferde

 

Spielzeugpferd aus Norwegen

Hölzerne Spielzeugpferde sind aus dem frühmittelalterlichen Nordeuropa bekannt, so z. B. aus St. Petersburg (8. /9. Jh.) oder Trondheim/ Norwegen ( um 1100). In Nowgorod wurden Pferde mit Holzrädern gefunden. Aus Freiberg/ Sachsen stammt ein Pferdchen aus Lindenholz, datiert auf "vor 1600", das Löcher für ansteckbare Beinchen aufweist.

Abb.: Spielzeugpferd aus Trondheim/ Norwegen.

Steckenpferde, die laut W. Endrei das am meisten abgebildete und erwähnte mittelalterliche Knabenspielzeug sind - so schrieb z. B. Hartmann von der Aue um 1200 "Sit der stunde, daz ich uf mine stabe reit ..." - gehören zu den ganz seltenen Funden. In Nowgorod fand man den Kopf eines Steckenpferdes, der nicht viel mehr als ein verdickter Astabschnitt ist. Aus dem polnischen Elblag stammt ein Steckenpferdkopf, der aus einem Brett gefertigt ist.

 

 

Kreisel

Das Spiel mit dem Kreisel ist noch heute auf der ganzen Welt verbreitet. Bei dem Wort Kreisel werden die Kinder wahrscheinlich zuerst an Brummkreisel aus Blech oder Plastik denken, dabei waren auch in Deutschland bis ca. in die 50er Jahre Kreisel aus Holz am bekanntesten. Es gibt viele verschiedene Arten von Kreiseln: Finger-, Stab-, Abzieh-, Wurf-, Peitschen- sowie die schon erwähnten Brummkreisel.

Im Mittelalter wurde mit Wurf- und Peitschenkreiseln - genannt "Topf" - aus Holz gespielt. Die Idee des Kreisels entstand vermutlich aus dem Prinzip der Spindel, vielleicht wurden zu Boden gefallene Spinnwirtel beobachtet, die sich munter weiterdrehten...

Das Kreiselspiel war natürlich vor allem ein Kinderspiel, aber es gibt auch Hinweise auf eine gewisse magische Bedeutung in Zusammenhang mit Frühjahr oder Vegetationszyklus.

Peitschenkreisel Abb.: Peitschenkreisel

Eine sehr große Anzahl von Kreiseln wurde in Nowgorod gefunden: auf wenigen Hektar Ausgrabungsareal über 700 Kreisel des 10. Bis 15. Jahrhunderts. In einem Magdeburger Brunnen, datiert auf die Zeit um 1300 n Chr., fand man ein 32 cm langes Kiefernhölzchen, das als Peitsche zum Antreiben des Kreisels diente. Diese Peitschen hatten gewöhnlich ein oder zwei Peitschenschnüre aus Rindenfasern, Zwirn oder auch mal aus gegerbter Aalhaut.

Zur Unterscheidung der Kreisel:

Bei birnenförmigen mit Eisenspitze handelt es sich um Wurfkreisel, bei den zylindrischen Exemplaren um Peitschenkreisel.

 

Holzschiffe

Moderne Kinder sind fasziniert von schnellen Autos - für die mittelalterlichen Kinder im Küstenbereich waren Schiffe das beeindruckendste Fortbewegungsmittel. So verwundert es nicht, wenn gerade bei Stadtgrabungen im Ostseeraum viele aus Holz oder Baumrinde ( bei einem Lübecker Fund z. B. Eichenborke) geschnitzte Boote gefunden werden. Diese Schiffchen, durchschnittlich 10 bis 40 cm lang, sind recht grob gearbeitet, vielleicht von den Kindern selbst geschnitzt, und haben manchmal Mastlöcher für die Besegelung.

 

Holzschwerter

Auf nahezu jedem Mittelaltermarkt werden Holzschwerter für die Kinder verkauft. Ganz ähnlich waren die mittelalterlichen Spielzeugschwerter. In Staraja Ladoga wurden Spielzeugschwerter des 8./ 9. Jahrhunderts ausgegraben, die zeitgenössischen fränkischen Schwertern nachgebildet waren. Auch in Danzig und Nowgorod wurden Holzschwerter gefunden.

Holzschwerter Abb.: Spielzeugschwerter aus Rußland

 

Puppen

Holzpuppe

Holzpuppen tauchen im Fundmaterial ab dem 14. Jh. auf. Weitaus häufiger als geschnitzte Puppen mögen solche aus Stoff oder Leder, ausgestopft mit Wolle oder Moos, gewesen sein, von denen aber meines Wissens bisher noch keine gefunden wurden.

Der mittelalterliche Name für Puppen war "Docken" - von "docke" = Holzklotz.

Bei den Holzpuppen handelte es sich um Anziehpuppen, deshalb war meist nur der Kopf vollplastisch gestaltet. In Schwerin wurde sogar der geschnitzte und mit zwei Löchern für die Finger versehene Kopf einer Handpuppe gefunden. Er datiert in das 14. Jh..

Gegen Ende des 14. Jahrhunderts kamen von Italien aus Puppen mit wächsernen Köpfen nach Europa. In der Spielzeugstadt Nürnberg gibt es seit Anfang des 15. Jahrhunderts den Beruf der Holzpuppenmacher.

Abb.: Holzpuppe aus Lübeck, um 1300

 

Windrädchen
Es gibt einige spätmittelalterliche Abbildungen von Kindern mit an Stäben befestigten Windrädchen. Bei den Windrädchen dürfte es sich um flügelförmige dünne Holzbrettchen handeln. Mir sind allerdings keine erhaltenen Originale bekannt.