|
Würfel |
In der Antike wurde noch nicht mit den heute üblichen kubischen Würfeln gespielt, sondern es wurden Schafsknöchel ("aleae" oder auch "tali" genannt) -anatomisch: Astragale - benutzt. Das Wort "Knobeln" kommt von diesem "Knöcheln". Jeder Seite des Knöchels war eine andere Punktezahl zugewiesen.
Im Mittelalter wurden diese Astragale nicht zum Würfeln, sondern für das sogenannte Knöchel- oder Fangsteinspiel benutzt. Dieses Spiel wurde noch bis in das 20. Jh. in mehreren Versionen gespielt. Es geht bei diesem Geschicklichkeitsspiel darum, Steine oder Knöchel hochzuwerfen, auf dem Handrücken aufzufangen, weitere aufzunehmen und wiederum hochzuwerfen.
Abb.2: Knochenwürfel aus Straßburg

Im frühen Mittelalter hatten die aus Knochen oder Geweih bestehenden Würfel eine längliche Form ( Quader). Nach den Ergebnissen der Stadtkerngrabungen in Schleswig wird der Übergang vom Quader zur kubischen Form im 11. Jh. vermutet. Ab dem 13. Jh. existierte der spezialisierte Beruf des Würflers.
Die größeren Würfel wurden aus gedübelten Röhrenknochen von Pferd oder Rind hergestellt. Im Allgemeinen waren die Würfel jedoch sehr klein - von 5 bis 10 mm Seitenlänge, manchmal mit einschwingenden Seiten. Das Material war Knochen (Pferde- oder Rindermetapodien) oder Geweih. Der Würfler stellte zunächst Knochenstäbe her, von denen dann die Würfelrohlinge abgesägt, poliert und zum Schluß mit dem Drillbohrer die Augen eingebohrt wurden. Bei vielen mittelalterlichen Würfeln ergibt die Summe der gegenüberliegenden Seiten sieben (wie bei den heutigen Würfeln), aber es kommen auch häufig andere Verteilungen der Augen vor. Für die Bezeichnung der Würfelwerte von zwei bis sechs sind die Worte "tus, drien, quater, zinken, ses" überliefert.
|
Schnurrer |
Bei Ausgrabungen in mittelalterlichen Städten werden oft zahlreiche Schweinemetapodien (=Mittelfußknochen) gefunden, die in der Mitte eine Durchbohrung aufweisen. Bei den Schleswiger Grabungen zum Beispiel kommen diese Funde vom 11. Bis in das 14. Jh. vor. Auf den ersten Blick sind diese Knochen sicher nicht als Spielzeug zu erkennen, doch über volkskundliche Parallelen, z. B. aus Estland und Lettland, läßt sich erschließen, daß es sich um sogenannte "Schnurrer" handelt:
Eine endlose Schnur wird durch das Loch gefädelt und in jeder Hand eine der Endschlaufen gehalten. Nun wird der Knochen geschwungen, bis die Schnur aufgedreht ist. Zieht man jetzt die Schnur mit einem Ruck stramm, dreht sich der Knochen mit einem brummenden Geräusch in die andere Richtung (Jojo-Prinzip). Angeblich sollen die Knochen der Hinterbeine am besten brummen...
|
Flöten |
Knochenflöten waren ein relativ einfach herzustellendes Musikinstrument.
Das Material waren Tibien (Schienbeine) von Schafen oder Ziegen oder Ulnae (Ellen) von größeren Vögeln, meist von Gänsen. Zuerst wurden die Epiphysen entfernt. Das Ende zum Anblasen wurde angeschrägt, ein hölzerner Block eingesetzt und der sogen. Aufschnitt halbrund oder rechteckig eingeschnitten. Die Grifflöcher, deren Anzahl, Durchmesser und Position natürlich nicht genormt waren, wurden gebohrt und die Kanten nachgeschliffen. Die Oberfläche der Flöte wurde nur leicht überarbeitet (s. Abbildung).
Aus den gekrümmten Humeri (Oberarmknochen) von Vögeln wurden kleine Pfeifen gemacht, die aber wahrscheinlich nicht als Musikinstrument sondern bei der Jagd zum Imitieren von Vogelstimmen benutzt wurden.
|
Kegel |
Das Kegeln war im Mittelalter ein sehr volkstümliches Spiel, in manchen Städten befand sich die Kegelbahn direkt hinter dem Rathaus. Da oft um Geld gespielt wurde, wurde es allerdings manchmal auch verboten oder durfte nur in Wirtshäusern gespielt werden.
Der älteste bekannte Kegelclub existierte im 13. Jh. in Xanten. Auch im "Hunthorer" von Minnesänger Rüdiger von 1290 wird das Kegelspiel erwähnt.
Mit neun Kegeln wird erst seit dem 16. Jh. gespielt. Zunächst war ein einziger Kegel das Ziel, dem man mit Werfen eines Stockes oder Steines möglichst nahe kommen mußte. Seit dem 14. Jh. wurde auf drei in einer Reihe stehende Kegel gezielt. Statt des Stockes wurde jetzt auch mit einer Kugel gerollt. In Süddeutschland und der Schweiz dagegen wurde eine Scheibe zum Werfen benutzt.
Die Kegel waren entweder aus Holz hergestellte geometrische Kegel oder es wurden Rinderphalangen (Zehenknochen) benutzt, die oft der besseren Standfestigkeit wegen mit Blei gefüllt wurden. Das Spiel mit den Knochenkegeln hielt sich bis ins 18. Jh. und wurde auf niederländischen Gemälden des 17. Jahrhunderts oft dargestellt.
Beispiele für Funde aus archäologischen Ausgrabungen: In Rostock wurden in einer Kloake des 15. Jahrhunderts 37 Rinderphalangen gefunden. In Schleswig kamen bei der Grabung am "Schild" 116 Stück zu Tage, die in das 11. Bis 14. Jh. datieren. Hier waren durchschnittlich zwei von drei Knochen metallgefüllt.
|
Schlittknochen |
Die Vorläufer unserer heutigen Schlittschuhe sind eher als Fortbewegungsmittel denn als Spielzeug anzusprechen. Trotzdem werden sicher auch die Kinder mit Spaß über das Eis geschlittert sein.
Die früheste Beschreibung des Schlittschuhlaufens stammt aus dem England des 13. Jahrhunderts. Aus Holland ist der Sturz aufs Eis einer gewissen Lydwina von Schiedam anno 1398 überliefert. Bei den Ausgrabungen in der Schleswiger Altstadt sind die insgesamt 93 dokumentierten Exemplare von Schlittknochen gleichmäßig über das 11. Bis 14. Jh. verteilt.
Als Material dienten Pferde- oder Rindermetapodien (= Mittelfussknochen), die nur grob zugerichtet wurden. Die Gleitfläche wurde etwas geglättet, ein Ende zugespitzt und eine oder zwei Bohrungen zum Festschnüren der Knochen am Fuß angebracht. Die Fortbewegung erfolgte - ähnlich wie heute beim Skifahren - mit Hilfe von Stöcken.