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      Einleitung
moderne Spiele

PlastikritterViele Spiele, mit denen sich die Kinder heute beschäftigen, wurden im Mittelalter schon genauso gespielt. So wie heute mit Ritterfigürchen, Babypuppen und Puppengeschirr aus Plastik gespielt wird, taten das die mittelalterlichen Kinder mit ganz ähnlichen Gegenständen aus Ton.

Andere sehr alte Spiele wurden bei uns noch bis in die 50er Jahre gespielt und sind erst seitdem in Vergessenheit geraten. Dazu gehören das Reifentreiben und das im Mittelalter sehr populäre Spiel mit dem Peitschenkreisel.

vergessene Spiele

Wieder andere Spiele sind heute gänzlich unbekannt, was wohl hauptsächlich am Material liegt: kaum ein Kind ist beim Schweineschlachten dabei und kann sich eine schöne Schweinsblase zum Aufblasen (Luftballon!) und Rasseln ergattern. Genauso wenig wird heutzutage mit Würfeln oder Kegeln aus Knochen gespielt.

GogosAllerdings hat das seit einiger Zeit populäre Spiel mit "crazy bones" oder "Gogos", bunten Plastikwürfeln in Form kleiner Fantasiefigürchen, seinen Ursprung im Knöchelspiel der Antike und des Mittelalters.

SchnurrerAuch die von mir im Abschnitt "Knochen" beschriebenen Schnurrer bekommt man im Spielwarengeschäft, heute natürlich aus Plastik und in anderer Form. Das Funktionsprinzip entspricht aber dem der Knochenschnurrer.

 

Spiele für Kleine - Spiele für Große

Im Mittelalter wurde nicht so streng zwischen Kinder- und Erwachsenenspielen unterschieden. Das Spiel mit Murmeln oder das Kegeln war bei den Großen genauso beliebt wie bei den Kleinen. Anders natürlich das zu den sieben ritterlichen Tugenden zählende Schachspiel oder andere Brettspiele.

Einen sehr guten Überblick über die Kinderspiele vergangener Jahrhunderte gibt das Bild Kinderspiele von Pieter Bruegel dem Älteren von 1560. Über 250 Kinder und mehr als 30 Spiele sind darauf zu erkennen. Das Bild befindet sich im Kunsthistorischen Museum in Wien.

Die Worte Spielzeug, Spielsachen oder Spielwaren werden übrigens erst seit dem 17./ 18. Jh. verwendet. "Spielen" wurde im Mittelalter meist im Sinne von lebhafter Bewegung, mimischer Darstellung oder Musizieren benutzt (vergl. "Spielmann"), aber auch die Begriffe "kinderspil" oder "kintlich spiel" kommen vor. Für das eigentliche Spielzeug ist das Wort "Tand" überliefert. So ist die mittelniederdeutsche Bezeichnung für Nürnberger Spielwaren "tant van Nurenberch".

Spielzeug aus Ausgrabungen

Der Schwerpunkt meiner Zusammenstellung von Spielzeug im Mittelalter liegt auf den bei archäologischen Ausgrabungen gefundenen Gegenständen.

Ein Großteil des mittelalterlichen Spielzeugs war aus leicht erreichbarem und damit billigem organischen Material wie Holz, Knochen, Textilien oder Leder. Diese Materialien sind im Boden leider relativ leicht vergänglich. Sie erhalten sich nur unter günstigen Bedingungen wie Trockenheit oder unter Luftabschluß, z. B. im Grundwasserbereich. Daher kommt es, daß die Masse an erhaltenem Spielzeug des Mittelalters aus Keramik besteht. Die organischen Funde stammen vor allem aus den Kloaken der mittelalterlichen Städte. Sehr schöne Funde gibt es z. B. aus Lübeck, Danzig oder Nowgorod.

Die im Folgenden beschriebenen Funde habe ich nach Materialgruppen geordnet. Die Brettspiele sind unter "Holz" zu finden.

Für Ergänzungen, Anregungen oder Fragen bin ich unter doris.fischer@ausgraeberei.de zu erreichen.

 

 

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