zurück zu "Kompaß-Kurzfassung"             zurück zu "K"            Startseite


Standortbestimmungen mittels Kompaß

Die Magnetnadeln aller Kompasse dieser Welt zeigen immer zum magnetischen Nordpol, der allerdings nicht mit dem geographischen Nordpol identisch ist. Der Navigator muß wissen, daß der magnetische Nordpol auch noch langsam wandert. Es gibt also einen Winkelfehler zwischen magnetischem und geographischem Nordpol, der für jeden Ort der Welt unterschiedlich ist. Aktuelles Kartenmaterial ist nötig, um sich über die sogenannte "Mißweisung" informieren zu können. Daneben kommen lokale Störungen des Erdmagnetfeldes vor, die natürliche Ursachen haben können, wie Erzgänge zum Beispiel, oder durch Stromleitungen usw. erzeugt werden. Der Benutzer muß daran denken, während der Kompaßpeilung magnetisches Material in der Nähe zu meiden, was auch Münzen im Geldbeutel oder Stahlschrauben im Stativ betrifft.

Zur Beurteilung eines Siedlungsgeländes nach der Sonnenexposition oder um den Fotonordpfeil für eine wissenschaftliche Aufnahme in Position zu bringen genügen einfache Kompaßmodelle. Für Marschrouten bedarf es eines Modells mit Peileinrichtung und einem Spiegel zur gleichzeitigen Beobachtung der Kompaßnadel. Wenige Kompaßtypen erlauben Visuren im steilen Gelände, z.B. das Modell nach Oberst Bézard mit seinen langen Peilschlitzen.

Auch im Zeitalter der GPS-Geräte besetzen spezielle empfindliche Peilkompasse noch eine Arbeitsnische, nämlich wenn bei Unternehmungen Batterienachschub unmöglich ist oder Gepäckprobleme extraleichte Ausrüstung erfordern. Nicht zu vergessen der Sicherheitsaspekt, denn Elektrogeräte fallen immer mal wieder aus. Es lassen sich drei Hauptgruppen benennen:

- Linseatik-Peilkompaß
- Prismatik-Peilkompaß
- Kombinationen von Fernglas und Kompaß

Linseatik-Peilkompaß Prismatik-Peilkompaß auf Ministativ
Linseatik-Peilkompaß

Prismatik-Peilkompaß auf unmagnetischem Ministativ

Binocom-Fernglaskompaß
Binocom-Fernglaskompaß Linseatik-Peilkompaß auf unmagnetischem Ministativ

Alle genannten Systeme erlauben eine Ablesegenauigkeit bis auf 0,1 Grad oder 0,1 Gon. Das bedeutet, sie können wie einfache Theodoliten zum Einsatz kommen, wenn eine Reihe von Fehlerquellen systematisch ausgeschlossen werden, unmagnetische Unterlagen zur Verfügung stehen, mindestens drei kartendefinierte Punkte angepeilt werden und Mehrfachbestimmungen zur Mittelwertbildung die Regel sind. Wie bei Theodolitenpeilungen können Nah- und Fernziele benutzt werden. Der Erfolg hängt von Maßstab und Güte der topographischen Karte ab. Meßtischblätter M. 1:25.000 eignen sich gut für das Verfahren unter Einbeziehung von Fernzielen. Der Arbeitszweck entscheidet allein: Auf den Meßtischblättern entspricht 1 Millimeter 25 Metern in der Natur. Mit der Deutschen Grundkarte M. 1:5.000 oder großformatigen Katasterplänen M. 1:2.000 als Arbeitsgrundlage sind Genauigkeiten auf 10 m genau erreichbar.

Norbert Fischer
(© Fotos: Norbert Fischer)


zurück zu "Kompaß-Kurzfassung"             zurück zu "K"            Startseite

www.grabungswoerterbuch.de © Norbert Fischer, Doris Fischer