Eine Ausgrabung zum Mitnehmen
- die Rullstorfer Altsachsen auf CD-ROM

von Doris Fischer
2001

Einleitung und Vorschau
Multimedia in der Archäologie
Vorteile und Verfahren digitaler Grabungsberichte
Das Rullstorfer CD-Projekt
Die Erstellung der CD-ROM im Detail
Ausblick
Literatur

Einleitung und Vorschau

Meßband, Zeichenstift und Kleinbildkamera haben bei archäologischen Ausgrabungen noch lange nicht ausgedient, jedoch werden mehr und mehr Daten bereits gleich vor Ort digital erhoben. Anderes wird später im Innendienst digitalisiert. Warum sollte man dann nicht den naheliegenden Schritt tun und die Daten mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen digital veröffentlichen?

Bei der Grabung des sächsischen Gräberfeldes in Rullstorf, Ldkr. Lüneburg, haben wir mit dem Projekt "Die Rullstorfer Altsachsen auf CD-ROM" den ersten Versuch in dieser Richtung gemacht. Noch sind die Arbeiten an der CD nicht ganz abgeschlossen, doch die Veröffentlichung wird im Laufe dieses Jahres erfolgen. Ich möchte jetzt schon über die bisher gemachten Erfahrungen mit der Verbindung von Archäologie und Multimedia berichten. Zunächst werde ich aber einige aktuelle Beispiele für Multimedia-Anwendungen aus dem archäologischen Bereich geben, um den abstrakten Begriff "Multimedia" etwas plastischer werden zu lassen. Nach der Schilderung verschiedener Verfahren der digitalen Publikation folgt dann mein Bericht aus der praktischen Arbeit.

Multimedia in der Archäologie

Was bedeutet das so oft strapazierte Schlagwort Multimedia und wie wird Multimedia in der Archäologie genutzt?
Als Multimedia-Anwendungen werden Projekte bezeichnet, die auf einem Computer verschiedene Medien kombinieren und die vom Benutzer interaktiv zu steuern sind. Im Bereich der Archäologie sind diverse Anwendungen denkbar. Die folgenden Beispiele sollen die ganze Bandbreite des Themas aufzeigen.

Im Neanderthal Museum in Mettmann sind mehrere sogenannte Info-PCs fest installiert. Durch den Einsatz verschiedener Medien (laut Homepage des Museums 90 min. Audiotext, 45 min. Filmsequenzen und 180 min. Multimedia) soll eine vielschichtige Präsentation bei relativ kleiner Ausstellungsfläche ermöglicht werden. Solche Terminals werden auch mit dem Begriff Point of Information (POI) bezeichnet. Statt eines interaktiven Programms wie im Neanderthal Museum ist auch eine selbstablaufende Präsentation denkbar, die den Museumsbesuchern an verschiedenen Stellen im Museum kurz die wichtigsten Punkte erläutert.

Bei der CD-ROM "2000 Jahre Mainz. Geschichte der Stadt - digital" handelt es sich um eine ausschließlich in Internetformaten erstellte Anwendung. Texte und Bilder werden durch Audio- und Filmdokumente ergänzt. Auch ein Panorama der Stadt ist abrufbar. Geschwindigkeit und Richtung der Panoramaansicht werden durch den Mauszeiger gesteuert. Diese Technik ist sicher auch für die Darstellung von Grabungen, z. B. Kirchengrabungen, interessant.

Inzwischen gibt es auch Multimedia-CDs als Lernprogramme speziell für Kinder. Als Beispiel sei hier die CD "Knochen, Scherben, Grabbeigaben. Archäologie zum Mitmachen" aus dem Terzio-Verlag genannt. Da es sich ursprünglich um eine schwedische Produktion handelt, darf man bei der virtuellen Ausgrabung keine römischen Funde erwarten. Sonst ist aber fast alles wie im wirklichen Leben: ein Fundplatz wird Schicht für Schicht ausgegraben, die Funde werden geborgen - aber erst, nachdem alles fotografiert und gezeichnet wurde. Sogar an das Sieben des Aushubes wurde gedacht. Nach der Bestimmung der Fundstücke durch verschiedene Fachleute dürfen sie zum Schluß endlich in einer Museumsvitrine präsentiert werden. Ein besonderes Feature ist ein Internet-Handbuch zur Archäologie, das auf der Homepage des Verlages abgerufen werden kann.

Abb.1: Screenshot aus der CD-ROM "Knochen, Scherben, Grabbeigaben" von Terzio. Mit dem Werkzeug im rechten Bildschirmbereich kann Schicht für Schicht ausgegraben werden.

Die dreidimensionale Rekonstruktion von Bodendenkmälern am Computer ist eine besonders eindrucksvolle Möglichkeit, die Ergebnisse archäologischer Forschung darzustellen. Der Wiederaufbau ganzer Städte ist mit keinem anderen Medium denkbar, (birgt aber auch Gefahren, denn oft ist die Darstellung "zu schön um unwahr zu sein"). Als Beispiel sei hier das Xantener Projekt "Colonia Ulpia Traiana. Ein Informationssystem zur Archäologie der römischen Stadt" genannt. Dieses 3D-CAD-Modell des römischen Xanten wurde erstmals 2000 in Köln anläßlich der Landesausstellung "Fundort Nordrhein-Westfalen. Millionen Jahre Geschichte" gezeigt und soll im Frühjahr 2001 als CD-ROM erhältlich sein. Die Betrachtung der virtuellen Stadt aus der Luft ist ebenso möglich wie Kamerafahrten durch die Architektur. Zusätzlich werden Informationen über die Ausgrabung und über die römische Geschichte geboten.

Die Ausstellung "Europas Mitte um 1000", die in diesem Jahr in Berlin gezeigt wird, ist sozusagen das "High End" im Bereich Ausstellungs-Multimedia. Hier können die Besucher mit Hilfe von 3D-Brillen ins Mittelalter eintauchen. Die Hafenanlage von Wollin wurde dreidimensional am Computer rekonstruiert und mit Filmaufnahmen echter Wikinger- und Slawendarsteller kombiniert. Von einem echten Steg aus kann man diese Projektion eines Tagesablaufs in Wollin betrachten.Weitere Installationen sind animierte Karten, die zeitliche Veränderungen verdeutlichen sollen, sowie Geräuschkulissen.

Nun möchte ich noch auf ein Projekt hinweisen, das mehr in den Bereich "digitaler Grabungsbericht" gehört und das vielleicht zur Nachahmung anregen könnte: Parallel zur laufenden Ausgrabung des Erdwerkes Usingen im Taunus wurde von der Archäologie-AG des Geschichtsvereins Usingen das Grabungstagebuch ins Internet gestellt. Eckhard Laufer, ehrenamtlicher archäologischer Bodendenkmalpfleger im Hochtaunuskreis, ergänzte ein- bis zweimal pro Woche die Internetseite mit Fotos und Texten zum aktuellen Stand der Grabung. Er berichtet zwar von einem "gewissen zusätzlichen zeitlichen Aufwand", ist aber erfreut über die positive Resonanz auf dieses Online-Grabungstagebuch. Eckhard Laufers Fazit:" Ein solcher Internetauftritt war ein Versuch und ich verstehe ihn vor allem als einen wichtigen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit zugunsten der Archäologie. Das Internet ist hierfür hervorragend geeignet." (Laufer 2001)

Abb.2: Das Grabungstagebuch des Usinger Erdwerkes im Internet

Vorteile und Verfahren digitaler Grabungsberichte

Der konventionelle Weg, die Grabungsergebnisse "unter die Leute zu bringen", besteht üblicherweise darin, während der Grabung oder bald nach ihrem Abschluß kurze Vorberichte in den Fachpublikationen zu veröffentlichen. Eventuell werden die Ergebnisse auch in einer Ausstellung präsentiert. Nach Abschluß der Auswertung folgt dann der endgültige wissenschaftliche Bericht.

Durch eine Verbesserung der Grabungsmethoden und der technischen Möglichkeiten steigt die Anzahl der gewonnenen Daten immens an. Dies ist einerseits natürlich gut für die Auswertung der Grabung, führt aber andererseits zu Problemen bei der Publikation. Soll das gesamte Datenmaterial veröffentlicht werden oder nur Auszüge davon (wenn ja, welche)? Wie kann das kostengünstig geschehen? Oder sollen nur die Ergebnisse der Auswertung präsentiert werden, die aufgrund fehlender Daten dann vielleicht kaum nachvollziehbar sind?

Als Beispiel für eine umfangreiche Vorlage des Materials kann der Katalog der Grabung Rullstorf, Fundstelle 5 dienen: allein die Befund- und Fundbeschreibungen sowie Fundzeichnungen von vier Grabungsjahren füllen einen Band von 350 Seiten. (Gebers, Lüth 1996)

Mit einem digitalen Grabungsbericht können einerseits an Archäologie interessierte Laien angesprochen werden. Andererseits können auch sehr spezielle Informationen, die nur für einen kleinen Leserkreis interessant sind, kostengünstig veröffentlicht werden. (Diese und andere Vorüberlegungen zum Einsatz von Multimedia siehe: Wolle 1994 sowie Rietsch 1997)

Ein anderes Problem ist das der Visualisierung. Es stellt sich die Frage, wie man interessierten Lesern, die mit den Methoden der Archäologie nicht so vertraut sind, den Ablauf einer Ausgrabung vermitteln kann. Sicher kann man versuchen, das Vorgehen bildlich zu beschreiben. Bestimmte Tätigkeiten oder Befunde werden aber ohne ergänzende Zeichnungen und Fotos kaum verständlich. Es ist also von Vorteil, wenn ein Grabungsbericht viele Bilder enthält. Aus Kostengründen wird beim Druck die Anzahl der Bilder eher klein gehalten. Manchmal beschränkt man sich sogar auf eine Wiedergabe in schwarz-weiß oder in Graustufen.
Dieses Problem gibt es bei der Wiedergabe im Computer nicht: die Datei eines Farbfotos ist etwas größer als die des gleichen Fotos in schwarz-weiß, aber das farbige Bild ist nicht teurer. Außerdem bietet eine CD-ROM mit durchschnittlich 650 MB genug Platz für viele Bilder oder sogar Videosequenzen.
Mit entsprechenden Programmen ist auch eine Volltextsuche möglich, die die Arbeit mit großen Datenmengen benutzerfreundlich und effektiv macht. Es gibt verschiedene Wege, die gesammelten Daten einer Grabung digital zugänglich zu machen.

Abb.3: Die Komponenten eines digitalen Grabungsberichtes (wobei Sound, Video und Animationen hauptsächlich im Bereich Multimedia zum Einsatz kommen)

Wenn die gewonnenen Ergebnisse veröffentlicht werden sollen, bieten sich neben dem Druck drei weitere Verfahren an:

Das Rullstorfer CD-Projekt

Mit den im ersten Abschnitt genannten sehr umfangreichen - und damit kosten- und personalintensiven Vorhaben kann die Rullstorfer Altsachsen CD nicht mithalten. Sie bedeutete für uns den Einstieg in ein neues und sehr spannendes Thema, das Schritt für Schritt erarbeitet werden mußte.

Ausgangspunkt war eine Ausstellung mit dem Titel "Die Rullstorfer Altsachsen", die erstmals 1999 gezeigt wurde. Die Ausstellung wurde von Dr. Wilhelm Gebers und MitarbeiterInnen des Bereiches Siedlungsarchäologie im Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege erarbeitet. Schwerpunkt sind die Ausgrabungen des sächsischen Gräberfeldes auf dem Kronsberg in Rullstorf, Ldkr. Lüneburg. Weitere Informationen zur Ausstellung gibt Dietmar Vonend in einem Kurzbericht (Vonend 1999).

Abb.4: Vitrine mit Perlenschmuck und Grabungsgerätschaften sowie Tafel in der Ausstellung "Die Rullstorfer Altsachsen"

Unsere Idee war nun, eine CD-ROM zum gleichen Thema zu produzieren. Sie sollte mehrere Möglichkeiten bieten: sie sollte im Schulunterricht zum Einstieg in das Thema und zur Vorbereitung eines Ausstellungsbesuches dienen, dann sollte sie das komplette Material der Ausstellung zeigen - quasi eine "Ausstellung zum Mitnehmen". Darüberhinaus sollte die CD auch unabhängig von einem Ausstellungsbesuch verständlich sein und Möglichkeiten zum Vertiefen des Themas bieten.

Die Zielgruppe wurde daher relativ weit gefasst: Schüler, Lehrer und alle an Archäologie Interessierten.
Die Konzeption, das Layout und die Realisierung der CD-ROM erfolgte in Absprache mit Dr. Wilhelm Gebers durch die Verfasserin. Für das Komponieren der Musik danken wir Herrn George A. Speckert, Hannover. Die Finanzierung wurde ermöglicht durch den Verein für Heimatkunde im Raum Scharnebeck e.V. und den Freundeskreis für Archäologie in Niedersachsen e.V..

Die Erstellung der CD-ROM im Detail:

Das Ausgangsmaterial

Da die Arbeit am CD-Projekt erst nach Fertigstellung der Ausstellungstafeln begann, lag das meiste benötigte Ausgangsmaterial schon vor. Die Ausstellung besteht aus 33 Tafeln mit Texten, Zeichnungen und Farbfotos. Dazu kommen noch Vitrinen, in denen Arbeitsgerät und die Highlights der Funde ausgestellt sind. (Abb.4)

Ein Wunsch von Dr. Gebers war, die kompletten Texte der Ausstellung zu verwenden. Diese lagen schon als Textdateien vor, so daß die Einbindung kein Problem darstellte. Die auf den Ausstellungstafeln verwendeten Fotos und Zeichnungen waren für den Druck mit sehr hoher Auflösung eingescannt worden. Hier war zunächst eine Nachbearbeitung nötig, da für eine Darstellung am Bildschirm eine viel geringere Auflösung als für großformatigen Druck benötigt wird. Bei diesem Reduzieren der Bildgröße muß immer ein Mittelweg gefunden werden, der eine gute Bildqualität mit kleiner Dateigröße und damit kurzen Ladezeiten verbindet. Dazu stehen verschiedene Grafikformate zur Verfügung, die die Dateien mit mehr oder weniger sichtbaren Verlusten komprimieren.

Außer den Abbildungen der Ausstellungstafeln wurden noch weitere Bilder benötigt, zum Beispiel für Texthintergründe, als ergänzende Detailfotos oder auch kleine Zeichnungen für die Schaltflächen (Buttons). Diese wurden eingescannt und wenn nötig nachbearbeitet (Freistellen der Grafik, Verbessern des Kontrastes, Ändern des Ausschnittes, usw.). Für diese Arbeiten wurde ein Bildbearbeitungsprogramm benutzt.
Als Übersichtspläne wurden die mit einem CAD-Programm gezeichneten und mit einer Legende versehenen Grundrisse der Grabungsflächen verwendet.

Zur Abrundung einer multimedialen Präsentation gehört die Vertonung. Bei unserem Projekt verzichteten wir auf einen Sprecher und beschränkten uns auf musikalische Untermalung der einzelnen Themen. Der Sound von George A. Speckert lag im Wave-Format (.wav) vor und konnte ohne weitere Bearbeitung übernommen werden.

Als eine Zugabe für die Käufer der CD-ROM werden die gesamten Ausstellungstexte sowie ein einführender Text über die Altsachsen als PDF-Datei enthalten sein. Sie dürfen für den privaten Gebrauch und den Gebrauch im Unterricht ausgedruckt werden.
Sobald das gesamte Material in digitaler Form vorlag, begann der wichtigste Schritt: das Entwickeln einer sinnvollen Struktur.

Die Struktur

Multimedia macht erst Spaß, wenn Interaktivität möglich ist. Das bedeutet, daß die Benutzer den Ablauf der Anwendung nach ihren eigenen Wünschen steuern können. Es mußte also eine ganz andere Struktur als bei der Ausstellung gefunden werden. Eine Ausstellung ist immer mehr oder weniger linear. Die Besucher werden in einer bestimmten Reihenfolge durch die Räume oder zu den Exponaten hin geführt. Natürlich ist es jedem freigestellt, zuerst den letzten Raum eingehender zu betrachten oder die Tafel 33 zuerst zu lesen - aber gedacht ist es so nicht. Sofern es sich bei einem Multimedia-Projekt nicht um eine selbstablaufende Anwendung ohne Eingriffsmöglichkeiten durch die Nutzer handelt, ist es sinnvoll, statt einer linearen eine Baum- oder Netzstruktur zu wählen (Details siehe Rietsch 1997).

Die "Rullstorfer-Altsachsen-CD" sollte sich zwar am linearen Konzept der Ausstellung orientieren, dem Nutzer aber genügend Wahlmöglichkeiten lassen. Er sollte je nach Wunsch zwischen den einzelnen Abschnitten hin- und herspringen können, einige vielleicht nur überfliegen und ihn stärker interessierende durch weitere Bilder oder Texte vertiefen können.
Dabei ist vielleicht der wichtigste Punkt, daß der Nutzer sich nicht verlaufen darf. Er sollte immer wissen, an welchem Punkt der Anwendung er sich befindet und wie er von dort zu einem anderen Thema kommt oder wie er das Programm verlassen kann. Diese Überlegung ist vielleicht nicht auf den ersten Blick nachzuvollziehen. Man muß sich dazu klarmachen, daß der Nutzer, anders als bei einer Ausstellung, nicht neben sich die anderen Ausstellungstafeln sieht, sondern vor sich nur einen Bildschirm. Im schlimmsten Fall bietet dieser Bildschirm (Screen) nur einen Text sowie Vorwärts- und Rückwärts-Schaltflächen. Dann hilft nur beharrliches Klicken, bis man zufällig auf eine Übersichtsseite gelangt oder man muß rücksichtslos das Programm beenden.

Dieses Problem wurde mit Schaltflächen (Buttons) gelöst, die auf jeder Bildschirmseite gleich sind. Der jeweils aktivierte Button wirkt durch eine Schattierung wie eingedrückt. Dadurch ist immer sichtbar, in welchem Bereich man sich gerade befindet. Die Navigation sollte nicht durch zu viele Buttons unübersichtlich werden. Deshalb beschränkten wir uns auf fünf Abschnitte, nämlich: Das Projekt, Die Religion, Die Gräber, Die Jagd und Die Beigaben. Aus ergonomischen Gründen sind diese wichtigsten Buttons rechts auf dem Bildschirm angeordnet. Weitere Buttons sind zum Ausschalten des Sounds, zum Ansehen des Info-Bereiches (Copyright und Literaturhinweise) und zum Verlassen des Programms da.

Abb.5: Übersicht über die Dateistruktur der Multimedia-Anwendung "Die Rullstorfer Altsachsen" mit Angaben über Dateinamen und -größen.

Um sich innerhalb eines Kapitels zurechtzufinden, sind die Überschriften auf jeder Seite beziehungsweise jedem Screen sichtbar, auch bei Texten, die sich über mehrere Seiten erstrecken.
Die Beschränkung auf die oben genannten fünf Hauptthemen hatte zur Folge, daß zum Beispiel das Thema "Die Gräber" in vier Unterbereiche unterteilt werden mußte. Um die Ladezeiten der einzelnen Dateien zu reduzieren, war eine weitere Unterteilung notwendig. Diese ist aber für den Benutzer unsichtbar. Der Wechsel in eine andere Datei wirkt wie der Sprung auf eine neue Bildschirmseite. Je nach Schnelligkeit des vom Benutzer verwendeten Systems kann es zu einer kleinen Verzögerung bei der Darstellung der nächsten Seite kommen. (Dateien siehe Abb.5)

Die Erfahrung zeigt, daß die Struktur einer Anwendung schon detailliert vor dem Beginn der Programmierung festgelegt werden sollte - idealerweise in einem Drehbuch, das jede einzelne Bildschirmseite erfaßt. Spätere Änderungen sind nur mit erheblichem Aufwand möglich.

Das Layout

Das Ausstellungsplakat mit einer Aufnahme des Kronsberges in der Abenddämmerung, entworfen von Dr. Wilhelm Gebers und MitarbeiterInnen, diente als Vorlage für die Gestaltung der Bildschirmoberfläche. Der oben schwebende Fenriswolf und der Sonnenuntergang stehen symbolhaft für den Untergang der sächsischen Religion. Um den stimmungsvollen, vielleicht etwas mystischen Eindruck beizubehalten, wurden dunkle, warme Farben gewählt.

Die Größe der Anwendung beträgt 800 mal 600 Pixel. Abhängig von der Bildschirmauflösung beim Benutzer kann der über die Größe der Präsentation hinausgehende Teil des Bildschirms sichtbar sein. Dieser Rand soll nicht stören, sondern den Fokus auf die Präsentation lenken. Als Hintergrundfarbe wurde deshalb Schwarz gewählt. Die Texte sind einer guten Lesbarkeit halber schwarz auf weißem Untergrund beziehungsweise schwarz auf blassem Hintergrundbild.

Abb.6: Screenshot aus dem Kapitel "Die Beigaben" . Die Titelleiste links und der Bereich mit den Buttons rechts sind auf jeder Bildschirmseite gleich.

Die Software: Autorenprogramme

Nachdem Navigation und Layout geklärt waren, begann die Hauptarbeit an der Anwendung: das Zusammenbringen der einzelnen Bestandteile zu einer lauffähigen Anwendung. Für diese Aufgabe gibt es spezielle Computerprogramme. Sie werden als Authoring-Tools oder Autorenprogramme bezeichnet. Mit einem solchen Programm werden Texte und Bilder auf den Seiten angeordnet. Den vorher in einem Grafikprogramm erstellten Buttons wird ein Verhalten zugewiesen (z. B. "zeige bei Mausklick die Seite 3" oder "spiele Sound xy ab"). Es können Übergangseffekte zwischen den Seiten bzw. Screens festgelegt werden.

Eine Arbeit, die starke Nerven und sehr geduldige Helfer erfordert, ist das abschließende Testen der Anwendung. Die Funktion jedes einzelnen Buttons muß geprüft werden. Außerdem sollte die Anwendung mit verschiedenen Computern auf Lauffähigkeit und Geschwindigkeit hin getestet werden. Erst wenn dies erledigt ist, kann die CD-ROM in Produktion gehen.

Die Software:

Kleinere Präsentationen können recht einfach mit dem im Microsoft Office enthaltenen Programm PowerPoint gestaltet werden. Seine eigentliche Aufgabe ist das Gestalten von Präsentationsfolien. Es bietet aber auch die Möglichkeit, eine interaktive Anwendung mit Schaltflächen und internen Verknüpfungen (Hyperlinks), zu erstellen.

Das von mir verwendete Programm ist HyperStudio von der Firma Roger Wagner. Dieses Programm ist nur in der englischen Version erhältlich. Es bietet einen guten Einstieg in das Gestalten von Multimedia-Anwendungen und ist auch vom Preis her interessant. Auch ohne die Programmiersprache von HyperStudio, HyperLogo genannt, lassen sich größere Anwendungen realisieren. Das Programm läßt aber doch einige Wünsche offen, besonders, was den Import verschiedener Dateiformate und das Erstellen von Animationen betrifft. Leider ist HyperStudio in Deutschland kaum bekannt und so fehlen Austauschmöglichkeiten mit anderen Benutzern. Dieser Nachteil wird zum Teil durch den guten Support der Herstellerfirma ausgeglichen: in einer eigenen Mailingliste kann man sich bei Fragen direkt an die Programmentwickler wenden.

Bei hoffentlich folgenden CD-Projekten werden wir mit dem Autorenprogramm Macromedia Director arbeiten, obwohl es mit einem Preis um DM 2000,- relativ teuer ist und eine lange Einarbeitungszeit nötig ist. Dafür bietet es zusammen mit der Programmiersprache Lingo alle Möglichkeiten. Mit Hilfe zusätzlicher Softwarekomponenten zu Director kann auch eine Verbindung zum Internet oder eine Datenbankanbindung realisiert werden.
Der Benutzer, der die fertige Anwendung auf CD-ROM erwirbt, bekommt nicht die bearbeitbare Version, sondern eine sogenannte Runtime-Version. Sie ist voll funktionsfähig, bietet jedoch keine Möglichkeit zum Eingriff in die Anwendung (es sei denn, dies ist gewünscht, wie zum Beispiel bei Übungsaufgaben in Lernprogrammen).

Abb.7: Das Zusammenspiel der verschiedenen Computerprogramme bei der Erstellung einer Multimedia-Anwendung

Ausblick

Daß die multimediale Aufbereitung der Grabungsdokumentation nicht gerade zu den Standardaufgaben von GrabungstechnikerInnen gehört, ist klar. Im normalen Grabungsalltag ist so ein Projekt, vor allem mangels Zeit und technischer Ausstattung des Grabungsbüros, nicht möglich. Vielleicht konnte ich trotzdem dem einen oder der anderen Lust auf Multimedia machen. Die Arbeit an der Rullstorf-CD hat jedenfalls allen Beteiligten genug Ideen für weitere Projekte gebracht. So sollte in Zukunft das Medium Video genutzt werden. Wünschenswert wäre auch der Einsatz von gesprochenem Text und die Möglichkeit für den Benutzer, die Informationstiefe selbst zu wählen - etwa durch Einbindung verschiedener Ebenen.

Auch wenn Multimedia gedruckte Grabungsberichte nicht ersetzen kann, werden seine Möglichkeiten sicher künftig immer mehr in der Archäologie genutzt werden.

© Doris Fischer, 2001


Die CD-ROM "Die Rullstorfer Altsachsen" ist beim Freundeskreis für Archäologie in Niedersachsen e.V. erhältlich: Freundeskreis für Archäologie in Niedersachsen e.V.


Literatur

CD-ROMs

Ausstellung

  • Europas Mitte um 1000

    Museum

  • Neanderthal Museum, Talstrasse 300, D-40822 Mettmann, http://www.neanderthal.de

    Programme

  • Microsoft PowerPoint
  • HyperStudio, Roger Wagner Publishing
  • Macromedia Director
  • Adobe Acrobat Abbildungsnachweis
    Abb.1 Terzio Verlag, München
    Abb.2 Eckhard Laufer, Usingen
    Abb.3 Doris Fischer, Krefeld, Foto von Dr. Wilhelm Gebers, Hannover
    Abb.4 Dr. Wilhelm Gebers, Hannover
    Abb.5 bis 7 Doris Fischer, Krefeld


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